Wie ich den Kommentaren zum vorigen Beitrag entnehmen kann, bedarf dieses Thema noch einer gewissen Vertiefung.
Mehrmals wurde geäußert, daß es hier um Merkmale geht, die man sowieso von einem Taxifahrer erwartet. Nun ist es wohlfeil, irgendwelche frommen Wünsche zu äußern – die Realität sieht ganz anders aus!
Der Ist-Zustand:
Unfreundliche, muffelige Fahrer, der Fahrgast wird bei einer Kurzstrecke angeschnauzt, Ortskenntnise sind mangelhaft, man lümmelt sich in seinem Sitz, bis der Fahrgast sein Gepäck verladen hat, der Kunde wird durch Qualm, laute Musik, etc. belästigt und am Ende zuweilen noch mit einem überhöhten Fahrpreis abgezockt!
Dies führte unter anderem dazu, daß vor den diversen Bankenadressen immer häufiger die dunklen Limousinen auftauchen, mit Fahrern im Anzug (sic!). Diese übernehmen die Flughafenfahrten, uns bleibt die Fahrt zum Mittagessen!
Diese Zustand läßt sich nicht ändern, indem man sich wünscht, die Taxifahrer wären anders – dies ginge nur, wenn sich erheblich mehr Fahrgäste beschweren würden. Alle Untersuchungen haben ergeben, daß sich nur ein winziger Bruchteil beschwert!
Das Konzept Service-Taxi geht den umgekehrten Weg, ausgehend von der Überlegung, daß wir das teuerste öffentliche Verkehrsmittel sind, verglichen mit 1.Klasse-Flug und 1.Klasse-Bahnticket, aber eben keine 1.-Klasse-Leistung dafür bieten:
Es soll den äußerst unzureichenden Ist-Zustand (zumindest bei einer starken Minderheit der Fahrer) für die Augen der Kunden und der gesamten Öffentlichkeit ändern durch verschiedene Maßnahmen in bezug auf Qualitätsstandards, Serviceverbesserung und Corporate Identity.
Natürlich ist die Beherrschung der deutschen Sprache unabdingbar, hier tragt ihr Eulen nach Athen – kein Fahrer, der dies nicht erfüllt, wird ein STF werden! Es ging nur darum, für den internationalen Messe- und Bankenplatz Frankfurt zu betonen, daß eben die deutsche Sprache zwar notwendig, aber nicht hinreichend ist.
Man kann für oder gegen eine Dienstkleidung sein, aber sie wird helfen, unerfreuliche Anblicke zu vermeiden, wie kurzbehoste Fahrer in Latschen, denen der Bierbauch aus dem T-Shirt quillt!
Noch ein Beispiel zum Thema frommer Wunsch und Realität: in der Taxiordnung steht, daß der Fahrgast das Kommando über alle Fenster hat, sowie über die Lautstärke des Radios, bzw. ob der Fahrer rauchen darf – weiß das irgendjemand? Eben! Der STF raucht von sich aus nicht im Wagen und dreht auch das Radio nicht laut …
Nicht die schlechten und inkompetenten Fahrer werden aussortiert (weil schwierig bis unmöglich, s.o.), sondern die Besten werden zertifiziert, und den Kunden, die darauf Wert legen angeboten – natürlich ohne Aufpreis (gesetzlich gar nicht möglich)! Was passiert in so einer Situation (das erhoffe ich mir wenigstens)? Die STF bekommen mehr und lukrativere Aufträge!
Dies ist das ganze Geheimnis, so entsteht eine positive Auslese über die Nachfrage – der Kunde profitiert und der STF.



In erster Linie profitierst du dann ja aber auf Kosten der normales Fahrer – die zusätzlichen Fahrten der ehemaligen Limosinen-Kunden dürften schließlich nur ein geringer Zuverdienst sein.
Wenn nun aber die absolute Mehrheit der Fahrer nicht über diese Zertifizierung verfügt, besteht dann nicht auch die Gefahr, dass die wenigen STF schnell zu Außenseitern am Taxistand werden und von den sich benachteiligt fühlenden Kollegen gemobbt werden?
Soe wie ich das verstanden habe, steht es doch jedem Fahrer frei, sich als STF zertifizieren zu lassen.
Natürlich ist das Bessere der Feind des Guten (und des Schlechten erst recht!), aber nur deswegen Mittelmaß bleiben, damit man sich keine Feinde verschafft? Das kann es ja nun nicht sein.
Naja, so ist das wohl auf dieser Welt, daß die Guten belegen müssen, daß sie gut sind und dafür Zeit und Geld aufwenden müssen, während die anerkannt Schlechten weitermachen können wie bisher.
Also für mich gibt es dann nur noch STF, wenn es der Garant ist für Taxifahrer wie sie sein sollten. Die Nichtzertifierten sind dann einfach zu teuer.
Aber wahrscheinlich wird dann spätestens die EU sagen, daß es den Wettbewerb behindert, wenn man von z.B. polnischen Taxifahrern erwartet, daß sie in Deutschland deutsch zu sprechen haben. Und dann wird die deutsche Sprache für STF nicht mehr so wichtig sein, danach der Fahrzeugzustand und und und – bis wir wieder beim heutigen Zustand sind, weil einfach jeder das Zertifikat bekommt.
Ich verstehe immer noch nicht ganz, warum solch eine “Zertifizierung” überhaupt nötig ist! Wieso setzt man nicht früher an und stellt von Anfang an nur Fahrer an, die Grundkenntnisse in Deutsch besitzen und auch sonst die Voraussetzungen eines Service-Taxis einhalten?!
Die einzige Antwort die mir selbst einfällt ist, dass es solche Fahrer zu selten gibt bzw. sie schwer zu finden sind. Und da wiederum denk ich mir, kann es als Arbeitsloser ja nicht schwer sein, Taxifahrer zu werden, wenn man die Anforderungen einmal verinnerlicht hat.
Zwar fahre ich nicht sooo oft Taxi, aber aufs Jahr zurückschauend kann man die guten Fahrer an einer Hand abzählen, die schlechten sicher an 5 Händen. Klar bestell ich mir da (wenn es die Wartezeit zulässt) die “schwarze Limousine”. Damit hab ich jedenfalls noch NIE schlechte Erfahrungen gemacht! Damit zu meiner Frage von oben, warum finden die dann die guten Fahrer, was die Taxiunternehmen nicht schaffen?!
Viele Grüße aus Köln!
Das klingt nach einem kundenfreundlichen Ansatz, der sich vielversprechend anhört. Von den “Kundenrechten” wie der Freiheit, nicht in ohrenbetäubender Lautstärke mit irgendwelchem Dudelfunk bedröhnt zu werden, habe ich tatsächlich noch nie gehört. Ich hoffe, daß sich das Konzept durchsetzt!
Ich vermute, es ist einfach zu einfach, Taxifahrer zu werden.
Untersuchung, Ortskundeprüfung und schon darf sich jeder Depp Taxifahrer nennen. Viele sehen Taxifahren ja auch nur als “Studentenjob” an, den man halt macht bis man fertig ist um sein Studium zu finanzieren oder als Nebenjob, weil die Stütze nicht reicht.
Diejenigen Fahrer, die ihren Beruf wirklich ernst nehmen leiden dann natürlich unter diesem Image mit. Dementsprechend ist eine Imageaufwertung natürlich zu begrüssen.
Vor längerer Zeit lief im Fernsehen ein Bericht über die Ausbildung der Londoner Taxifahrer. Da war ich wirklich erstaunt drüber. Die Fahrer lernen teilweise mehrere Jahre!!! Ortskunde (in London wirklich eine Kunst) sowie auch, wie man sich als Taxifahrer zu benehmen hat. Ordentliche Kleidung und Benehmen gehen den Fahrern in diesen Lehrgängen sozusagen in Fleisch und Blut über.
Und wer dann irgendwann die Prüfung bestanden hat und seine Plakette bekommt ist wirklich Stolz auf das, was er erreicht hat.
STFU – Service-Taxifahrer-Unternehmen. Wird britische Kunden sicher zum schmunzeln bringen. Sorry, konnte nicht anders…
das mit london hatte ich auch schon gehört:
wenn man da jemanden auf nem motorroller mit klemmbrett sieht, kann man wohl davon ausgehen, dass der taxifahrer werden will.
Pingback: Taxiblogger » Was lange währt …
Service-Taxi in Frankfurt?
Ich hör immer öfter das bekommt man in Frankfurt nur noch
unter 73 30 30.
Und das scheint sich laut einiger Kollegen wohl auch auf das Auftragsaufkommen und den Umsatz auszuwirken.
Sowohl bei den Unternehmern und Fahrern bei MTF als auch bei denen anderer Zentralen.
Mal mit offenen Augen durch die Stadt fahren….
Grüße
Jens